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Foto-Kolumne: Eine Frage des Motivs – Die Verschlusszeit

Pixum Fotografie-Kolumne

Meine lieben Kolumnen-Leser, diesmal habe ich ein wenig über Blende und Verschlusszeit nachgedacht und beschlossen, wegen der Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten jeder diesen beiden Grundfunktionen einen eigenen Beitrag zu widmen. Diesen Monat starte ich mit der Verschlusszeit.

Gemeinsam mit der Blenden- und der ISO-Einstellung ist die Verschlusszeit zuständig, dafür zu sorgen, dass ein Bild genau die richtige Menge an Licht abbekommt. Über die ISO-Einstellung habe ich in meinem letzten Artikel bereits geschrieben, kurz als Gedächtnisstütze: Bei einem hohen ISO-Wert (z.B. ISO 800) ist der Kamera-Sensor sehr lichtempfindlich, bei einem niedrigen (z.B. ISO 100) weniger. Dementsprechend sind bei einem hohen ISO-Wert kürzere Verschlusszeiten möglich.

Aber fangen wir vorne an. Was ist die Verschlusszeit eigentlich? Die Verschlusszeit bezeichnet die Zeitspanne, in welcher die Blende offen steht, in der also Licht auf den Sensor fallen kann. Je kürzer die Verschlusszeit ist, desto weniger Licht lässt die Kamera hinein und desto dunkler wird das Bild. (Anm. zum Verständnis: Im Gegensatz dazu regelt die Blendeneinstellung, wie weit sich die Blende überhaupt öffnet, also wie groß das Loch ist, durch welches Licht auf den Sensor fällt.)

Ich denke, es wird nun klar, wie die drei Faktoren Blendenöffnung, ISO-Einstellung und Verschlusszeit zusammenspielen: Alle drei bestimmen, wie viel Licht auf den Sensor treffen darf – alle Faktoren beeinflussen sich gegenseitig.

Mit hoher (langer) Verschlusszeit fotografieren

Mit der Verschlusszeit regelt man, wie lange das Licht auf den Sensor auftreffen darf. Hierbei ergibt sich die Besonderheit, dass der „Faktor Mensch“ in besonderer Weise hineinspielt. Theoretisch könnte man ja denken, „ich habe hier einen relativ dunklen Raum … kein Problem, dann stelle ich die Verschlusszeit einfach länger ein, so dass mehr Licht auf den Sensor treffen kann“. Prinzipiell ist das auch richtig. Besitzt man kein Stativ wird man jedoch relativ schnell merken, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Denn schon ab einer Verschlusszeit von etwa 1/60 Sekunde wird es für einen Menschen schwierig, eine Kamera so ruhig zu halten, dass das Bild nicht verwackelt (siehe mein leicht armseliges Beispiel unten).

Lange Verschlusszeit

Wer einmal versucht hat, eine Belichtungszeit von einer oder sogar mehreren Sekunden ohne Stativ zu benutzen, weiß was ich meine. Dabei entstehen mitunter ganz schön witzige Effekte, da das Licht anfängt, „Schlieren“ nach sich zu ziehen. Das gleiche passiert auch, wenn die Kamera auf einem Stativ sitzt und sich das anvisierte, beleuchtete Objekt schnell bewegt (manche Fotografen haben daraus eine Kunstform namens „Lightpainting“ gemacht).

Light Painting Photo by shannonyeh.photography [via Flickr]

Wessen Kamera oder Objektiv einen „Image Stabilizer“ hat, der kann die Verschlusszeit noch um ein oder zwei weitere Stufen erhöhen – danach ist aber dann trotzdem Schluss.

Möchte man also in einer schlechten Lichtsituation (z.B. in einem Raum mit Kerzenlicht oder bei Sonnenuntergang) fotografieren, braucht man in jedem Fall ein Stativ oder zumindest eine feste Ablage für die Kamera. Sonst ist es leider unmöglich, Verwacklungen zu verhindern – die menschliche Hand zittert einfach zu sehr.

Hiermit erklärt sich auch gleichzeitig der Nutzen einer höheren ISO-Einstellung, die es erlaubt, kürzere Verschlusszeiten einzustellen – zwar erhöht sich durch die höhere ISO-Zahl die Grobkörnigkeit des Bildes, dafür verwackelt es aber weniger schnell.

Mit geringer (kurzer) Verschlusszeit fotografieren

Kürzere Verschlusszeiten sind besonders für Momentaufnahmen sich schnell bewegender Subjekte geeignet. So kann man einen Sekundenbruchteil einfangen, den das menschliche Auge gar nicht in der Lage ist, wahrzunehmen. Eine lange Verschlusszeit stellt einen Zeitraffer-Effekt her – lange Lichtspuren, die den Verlauf der Bewegung festhalten – während eine kurze Verschlusszeit genau einen bestimmten Sekundenbruchteil abbildet.

Hier ein schwacher Versuch von mir:

Kurze Verschlusszeit

Und hier eine etwas coolere Aufnahme aus dem unendlichen Fundus von Flickr:

Kurze Verschlusszeit Photo by miggslives [via Flickr]

Aber Achtung: Um so ein Foto hinzubekommen, muss natürlich beachtet werden, dass der „Licht-Verlust“ für den Sensor durch die kürzere Verschlusszeit an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden muss. Wenn ihr beispielsweise die Verschlusszeit von 1/60 auf 1/1000 verkürzt, um, wie oben, einen Skateboarder mitten in der Luft festzuhalten, nehmt ihr ja dem Sensor Licht “weg”. Das heißt ihr müsst dafür zum Ausgleich die Blende etwas weiter öffnen und/oder die ISO-Einstellung erhöhen.

Wenn ihr die Verschlusszeit verändert, müsst ihr darauf achten, immer auch mindestens eines der anderen Elemente – Blende oder ISO-Einstellung – gegenläufig zu verändern. Sonst kann die Belichtung nicht stimmen.

Wie sehen Kamera-Verschlusszeiten überhaupt aus?

Übliche Kamera-Verschlusszeiten sind z.B.:

  • 1/4000 Sek.
  • 1/500 Sek.
  • 1/60 Sek.
  • 1/15 Sek.
  • 1/8 Sek.
  • ½ Sekunde
  • 1 Sekunde
  • 2 Sekunden
  • usw.

Was mich anfangs immer etwas verwirrt hat, war dass die Zahlen mit den auf den ersten Blick größeren Werten (die 500, die 1000 etc.) eigentlich die kleineren sind, da eine größere Zahl unter dem Bruchstrich die Zahl ja verkleinert (1/1000 ist kleiner als 1/60)! Die gute alte Mathematik … nicht verwirren lassen! ;)

Wonach wähle ich meine Verschlusszeit nun also aus?

Das kommt auf das Motiv an, das fotografiert werden soll. Wie ist die Lichtsituation? Möchte ich eine stimmungsvolle Nachtaufnahme machen? Dann brauche ich auf jeden Fall eine hohe Verschlusszeit. Im hellen Tageslicht dagegen reicht eine geringe Verschlusszeit aus.

Möchte ich in meinem Bild ein sich bewegendes Objekt festhalten? Soll es eine Momentaufnahme sein oder ein verwischter Licht-Schemen, der das Objekt nur andeutet, das vor einer Sekunde noch da war? Klarer Fall: In der ersten Situation kurze Verschlusszeit, in der zweiten lange.

Damit bin ich auch schon am Ende angekommen – ich hoffe meine Kolumne war nützlich für euch und hat ein paar Fragen beantwortet. Viel Spaß beim Experimentieren! :)

Eure Kathrin

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Kommentare

  1. Arnold AM

    moin moin Kathrin, danke für den Artikel, der mit einfachen Worten einen nicht so ganz einfachen Sachverhalt beschreibt. Habe einen digitalen Knipser der eine Fülle von manuellen Einstellungen zuläßt und werde nun mal einiges probieren.

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