SummerZoom: Thüringer Wald

Neuer Reisebericht von: Birgit (Itzehoe, DE)
Die Schlappsohle
Sommerzeit – Urlaubszeit. Dieses Jahr fahre ich in den Thüringer Wald. Mich erwarten Wälder und Wandertouren. Da gilt es, die richtige Ausrüstung einzupacken. Aus Kindertagen weiß ich, wie wichtig gutes Schuhwerk in den Bergen ist. Mir fallen die Wanderschuhe ein, die seit dem letzten Österreich-Urlaub vor mehr als 10 Jahren auf dem Dachboden lagern. Sie passen noch und sie sind bequem, stelle ich zufrieden fest. Die Reise kann losgehen.

Das Wetter ist perfekt für eine Bergtour. Ich parke mein Auto auf einem Parkplatz am Fuße des Schneekopfes, der höchsten Erhebung im Thüringer Wald. Eifrig schultere ich meinen Rucksack mit Proviant und schnüre die Wanderschuhe sorgfältig zu. Ein letzter Blick auf die Wanderkarte – und los geht´s. Der Aufstieg ist weniger beschwerlich als ich gedacht habe, die Steigung nur mäßig. Steine und Baumwurzeln säumen den Weg, der sowohl von Wanderern als auch von Radsportlern genutzt wird. Ich fotografiere Schmetterlinge, sammle Blaubeeren und genieße die kühle Waldluft.
Zwischendurch treffe ich immer wieder auf andere Wanderer und blicke kopfschüttelnd einer Frau mit Stöckelschuhen hinterher. Ich überlege, ob ich ihr einen Tipp für das richtige Schuhwerk bei Bergtouren geben soll, doch es kommt ganz anders. Als ich gerade über eine Baumwurzel klettere, höre ich ein Knacken in meinem linken Schuh. Ich schaue an meinem Bein herunter und sehe, wie so ein graues, wabbeliges Zeug aus der Sohle meines Wanderschuhs quillt. „Was ist denn das?“, frage ich mich und schaue mich dabei verstohlen um. Hoffentlich hat keiner gesehen, was mit meinem Schuh passiert ist. Doch ich kann unbehelligt weitergehen. Mit jedem Schritt löst sich die Schuhsohle immer weiter von dem übrigen Schuh ab, bis sie nur noch an der Schuhspitze hängt.

Bedächtig setze ich einen Schritt vor den anderen, damit ich nicht über die Schlapp-Sohle stolpere. Gerade als ich mich frage, ob es nicht besser wäre, umzukehren, taucht der Gipfel des Schneekopfes vor mir auf. Die letzten Meter schaffe ich auch noch! Kurz vor dem Ziel knackt es auch in meinem rechten Wanderschuh und ihm widerfährt das gleiche Schicksal wie seinem linken Genossen. Es ist schon fast zum Lachen und doch passe ich auf, dass niemand diese Peinlichkeit bemerkt.
Ich steuere eine Bank an, um mich vor dem Abstieg ein wenig auszuruhen. Ich hole ein Brötchen aus dem Rucksack und genieße den Imbiss, als plötzlich ein Hund auf mich zugetrottet kommt. Ausgerechnet dieser Hund schafft es, die Aufmerksamkeit der übrigen Gipfelstürmer auf mich, beziehungsweise auf mein Schuhwerk zu lenken. Als hätte er tagelang nichts zu Fressen bekommen, schnappt er nach einer meiner beiden Schuhsohlen und kaut genüsslich darauf herum. Ich versuche, meinen Fuß wegzuziehen, doch der Hund lässt sich nicht stören. Erst als sein Herrchen ihn zur Ordnung ruft, lässt er von der Sohle ab. Dem Herrchen ist es peinlich. Mir aber auch! Vorsichtig schaue ich mich um und blicke in grinsende Gesichter. Na toll! Haben sie es doch alle gesehen!

Irgendjemand hat die Idee, einen Rettungshubschrauber kommen zu lassen, während ich mich schon damit abfinde, den Rückweg auf Strumpfsocken zurücklegen zu müssen. Doch die wirklich rettende Idee kommt ausgerechnet von dem Besitzer des gierigen Hundes. Ich folge seinem Tipp und fixiere die Schuhsohlen mit den langen Schnürsenkeln, so dass ich erleichtert und doch nicht barfuß den Abstieg antreten kann. Prima funktioniert das!
Am Auto angekommen schlüpfe ich erleichtert in meine Sandalen und nehme mir vor, die ausgedienten Schuhe zu verbrennen. So wie die Pilgerer am Ende des Jakobsweges es tun.

























Louise sagt
am 19.10.2009 @ 13:54 Uhr
Hi Birgit,
es macht Spaß, deinen Bericht zu lesen. Der Anblick deiner Schlappsohlen muss sehr witzig gewesen sein. Sicher hattest du auch deinen Spaß, gib´s zu! Beim Lesen bekam ich das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Ich wünsche mir mehr von diesen Geschichten, die das Leben schreibt
Urlaub im Thüringer Wald sagt
am 21.10.2009 @ 16:51 Uhr
Ich habe den Rennsteig auch schon beschritten, aber meine Schuhe haben durchgehalten! Aber bei all den Strapazen ist der Thüringer Wald und besonders der Rennsteig eine Wandertour wert!
Lg
Die schönsten Erholungsorte in Deutschland | Stressabbauzentrum sagt
am 9.11.2009 @ 11:39 Uhr
[...] Einer der berühmtesten Wanderwege befindet sich in diesem Gebiet,”der Rennsteig”. Der Thüringer Wald ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Fährt man weiter Richtung Süden,so erschließt sich dem [...]
Marco Rickhoff sagt
am 21.11.2009 @ 12:16 Uhr
Hallo,
ein sehr schöner Beitrag wie ich finde. Hat richtig Spaß gemacht Ihn zu lesen. Daumen hoch …
LG Marco