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In der Fotografie gibt es nicht eine bestimmte „Königsdisziplin“, sondern eher mehrere. Die Landschaftsfotografie zählt in jedem Fall zu den anspruchsvolleren Genres. In eine gute Landschaftsaufnahme spielen oft eine Menge Zeit und Geduld, diverse Posten Spezialausrüstung und eine detaillierte, exakte Planung hinein. Mit den folgenden 5 Tipps möchten wir dir einige Ratschläge und Tricks mit auf den Weg geben, wie du deine Landschaftsfotografien verbessern kannst. 

1. Die notwendige Ausrüstung

Wirklich eindrucksvolle Landschaftsfotografien entstehen leider meist nicht mit beschränkten Mitteln – natürlich muss es auch keine Mittelformatkamera im Gegenwert eines gebrauchten Sportwagens sein, aber mit einer Kompaktkamera oder einer DSLR mit Kitobjektiv wirst du voraussichtlich nicht lange Freude an der Landschafts- und Naturfotografie haben.

Ein professioneller Landschaftsfotograf hat auch immer das richtige Objektiv dabei. Die naheliegende Entscheidung ist eigentlich immer ein gutes Weitwinkelobjektiv.

Außerdem ist die Anschaffung eines z.B. 10-22mm-Objektivs für Crop-Kameras durchaus lohnenswert. Der Vorteil eines solchen Zooms liegt darin, dass diese Optiken speziell für den Weitwinkelbereich gerechnet sind, hier also ein geringerer Brennweitenbereich abgedeckt werden muss und so eine exakte und scharfe Abbildung möglich ist.

Spiegelreflex-Kamera schwebt im herbstlichen Ambiente über der Hand eines Mannes.

Ist erst einmal die Wahl für eine Weitwinkeloptik gefallen, geht es weiter mit kleinen Zusatzaccessoires für deine Kamera, die eine wichtige Rolle für Dich als Fotograf spielen können – besonders aufschraubbare Filter sind eine gute und relativ preiswerte Möglichkeit, um deinen Fotos das gewisse Etwas zu verleihen.

  • Polarisationsfilter: Ein zirkularer Polarisationsfilter, oft als „Polfilter“ abgekürzt, ist mit der wichtigste Filter für Landschaftsfotografie, da sein Effekt nicht digital simuliert oder anderweitig rekonstruiert werden kann. Vereinfacht dargestellt sorgt ein Polfilter je nach Ausrichtung für mehr Kontrast im Himmel und kräftigere Farben bei reflektierenden Oberflächen (z.B. auch bei Bäumen, deren Blätter Licht spiegeln) und ist zudem in der Lage, Wasseroberflächen durchsichtig werden zu lassen. Einen guten zirkularen Polfilter bekommst du – je nach Filterdurchmesser deines Objektivs – ab etwa 60 Euro.
  • Graufilter: Ein Graufilter oder englisch ND-Filter („neutral density“) hat im Grunde nur einen Effekt: Er schwächt sämtliches Licht um x Blenden ab, das auf den Sensor deiner Kamera fällt. Klingt erst einmal nicht nach einem großen Mehrwert, kann es in bestimmten Situationen aber sein – vor allem, wenn fließendes Wasser im Spiel ist. Hier ist es nämlich oft sinnvoll, die Belichtungszeit für ein Foto auf z.B. 2-3 Sekunden zu erhöhen, um das Wasser in einer ruhigen Strombewegung darzustellen. Bei kurzen Belichtungszeiten wie 1/500s wirkt es schnell eingefroren und unharmonisch. Da ISO-Wert und Blende irgendwo ihre natürliche Grenze finden, ist eine solche lange Belichtungszeit in bestimmten Lichtsituationen ohne Hilfsmittel gar nicht realisierbar – hier kommt der Graufilter ins Spiel.
  • ND-Grad-Filter: Hier handelt es sich um einen Graufilter mit Verlauf – also ein Teil des Filters senkt die Belichtung um bspw. zwei Blenden, während der Rest weiterhin alles Licht durchlässt. Besonders geeignet ist dieser Filter, um in Aufnahmen mit relativ dunklem Vordergrund den Himmel abzudunkeln. Ein ND-Grad-Filter ist in den meisten Fällen eher die Kategorie „nice to have“ – der gleiche Effekt kann, natürlich mit etwas mehr Aufwand, durch das Ineinanderblenden zweier verschiedener Belichtungen realisiert werden.

2. Immer mit Stativ arbeiten & die Komposition variieren

Auch wenn es bisweilen lästig ist, andauernd sein manchmal nicht gerade leichtes Stativ mit sich herumzuschleppen: Die positiven Auswirkungen auf Fotos von Unbewegtem im Allgemeinen sind nicht zu unterschätzen. Nimm dir Zeit für deine Landschaftsfotografien, und nimm dir auch die Zeit, verschiedene Kompositionen, Perspektiven und möglicherweise Brennweiten auszuprobieren.

  • Vom Stativ lassen sich auch unterschiedliche Belichtungen oder Belichtungsreihen (bei stark kontrastreichen Settings) planen. Wer es gerne ganz präzise hat, nimmt sich am besten gleich einen Laptop mit on location und überträgt die Bilder während des Fotografierens darauf – der Kamerabildschirm neigt oft doch zur etwas nachsichtigeren Abbildung eventueller Fehlstellen.
  • Mit einem Stativ kannst du gleich „in camera“ den Bildausschnitt festlegen und kontrollieren. Damit einher geht die Möglichkeit, zwei Bilder mit verschiedenen Belichtungen aufzunehmen und so zum Beispiel eine Aufnahme für den Himmel zu belichten und eine weitere für die Felder, Berge etc. im unteren Bildteil. So kannst du in der Nachbearbeitung beide Bilder so maskieren, dass beide Bereiche korrekt belichtet sind. Das sorgt für einen kontrastreicheren Bildeindruck mit mehr Tiefenwirkung.
  • Hab auch den Mut, unkonventionelle Beschnitte auszutesten oder mal ein Foto im Ultraweitwinkel- und eins im Normalbereich zu fotografieren. Durch solche intensiven „Studien“ lernst du, Motive fotografisch zu analysieren und bekommst einen Blick dafür, wie du zukünftige Landschaftsfotografien arrangieren kannst.

Mann mit Kamerastativ in den Bergen.

Dabei solltest du ruhig wissen, dass man nicht unbedingt hunderte von Euro für teures Equipment ausgeben muss – für ein gutes Bild genügt ein Stativ für 60-100 Euro völlig, wenn du nicht unbedingt mit einem zentnerschweren 800mm-Objektiv fotografieren möchtest.

3. Das Motiv auswählen und analysieren

Lass dir Zeit bei der Auswahl deines Motivs. Gerade in der Natur gibt es zahlreiche unterschiedliche Motive, die dem professionellen Betrachter nicht sofort ins Auge fallen, sich aber für atemberaubende Landschaftsfotos anbieten.

    • Wasserfälle sind ein faszinierendes Naturspektakel. Das herunterfallende Wasser verzaubert uns immer wieder, mit etwas Glück kann man manchmal sogar kleine Regenbogen zwischen den feinen Wassertropfen entdecken. Um dem Wasser fotografisch gerecht zu werden, stell einfach dein Stativ auf und mach eine Langzeitbelichtung – die Blende sollte dabei ziemlich weit geschlossen sein. Mehr Informationen dazu findest du in unserem Artikel über Langzeitbelichtungen.
    • Während Wasserfälle nicht ganz so einfach zu finden sind, hat jeder Wälder und Seen in seinem Umkreis. Seen ermöglichen dir bei strahlendem Sonnenschein tolle Spiegelungen. Dazu suchst du dir eine gute Perspektive und arbeitest am besten mit einem Stativ. Da durch längere Belichtungen der Spiegelungseffekt wortwörtlich verschwimmt, solltest du auf eine recht kurze Belichtungszeit achten.
    • So schön Landschaften an sich sind, so angenehm ist es auch für das Auge, einen konkreten Anhaltspunkt zu finden. Wenn du auf einer Wanderung durch die Natur bist, sieht es toll aus, wenn eine einzelne Person in den Weiten auftaucht. Besonders sticht sie natürlich heraus, wenn sie zum Beispiel eine bunte Jacke trägt.
    • Der Wetterbericht sagt Nebel voraus oder du schaffst es erst in den Abendstunden in die Landschaft? Lass Dich nicht abschrecken, genau solche herausfordernden Bedingungen können ein wunderbares Foto erzeugen! Wolken, an denen das Sonnenlicht bricht, haben eine unerwartete Schönheit.
    • Am Ende einer langen Wanderung wirst du mit einem spektakulären Ausblick belohnt. Hoch hinaus kommst du natürlich auch mit einer Drohne. Damit lassen sich sowohl Videos und Fotos aufnehmen, die einen ganz neuen Blick auf die Welt ermöglichen.

Berge spiegeln sich im See.

Auf die Tageszeit kommt es an

Gehen wir mal davon aus, dass du eine etwas aufwendigere Landschaftsaufnahme planst und nicht einfach nur ein paar Impressionen einfangen möchtest. Im Gegensatz zur Portraitfotografie oder vielen anderen Genres ist hier die Tageszeit der Aufnahme, manchmal sogar die Jahreszeit, gemeinsam mit dem jeweils vorherrschenden Wetter ganz essentiell: Je nach Stand der Sonne ändern sich die komplette Lichtstimmung und die Farben eines Naturfotos. Aber: Auch ein von tiefstehenden Wolken verhangener Himmel schafft manchmal eindrucksvolle Kulissen und ist ein guter Tipp für eine beeindruckende Landschaftsaufnahme.

Aus Erfahrung macht sich die Blaue Stunde, also die Zeit direkt vor Sonnenauf- oder nach Sonnenuntergang, perfekt für Landschaftsfotografien. Himmel und Landschaft haben nahezu die gleiche Helligkeit, alles ist weich ausgeleuchtet – nicht umsonst wird diese Zeit auch „magische Stunde“ genannt. Das führt natürlich dazu, dass man im Zweifelsfall auch mal um fünf Uhr am frühen Morgen seine Kamera schnappen muss, um das perfekte Bild zu bekommen – oder sich abends um zehn Uhr nochmal vom Sofa aufraffen. Aber den Gefallen solltest du dir ruhig tun: Die Ergebnisse sprechen für sich!

4. Vorauswahl: In Einzelfavoriten oder in Serien denken

Wenn du deine Fotosession vor Ort beendet hast, geht es mehr oder weniger zeitnah in die Vorauswahl – hier gibt es verschiedene Möglichkeiten der Herangehensweise.

Grundsätzlich kannst du bei Landschaftsfotos gerade dann, wenn du unterschiedliche Kompositionen des gleichen Motivs ausprobierst, neben der Auswahl einzelner Favoriten auch mehrere Aufnahmen eines Motivs als Serie verwenden. So stellst du eine Landschaft oder ein Naturschauspiel in verschiedenen Facetten dar, kannst zum Beispiel mit verschiedenen Bearbeitungsstilen und Zuschnitten arbeiten und so z.B. auch eine abwechslungsreiche Collage deiner Bilder erstellen.

Zur Unterstützung der Vorauswahl kannst du eine Bildverwaltungssoftware nutzen oder einfach Bilder in verschiedene Ordner in deinem Dateibrowser verschieben.

5. Bildbearbeitung: Geduld & Mut zum Ausprobieren

Landschaftsfotos zu bearbeiten kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Und eine ganze Weile dauern. Denn ein wirklich schön stilisiertes Naturbild entsteht meist erst durch kleinschrittige Feinarbeit in den verschiedenen Bildteilen (Vorder-/Mittel-/Hintergrund) und zahlreiche selektive Anpassungen. Anfangen sollte die Bearbeitung im RAW-Format – zum Beispiel durch Verlaufsfilter, mit denen der Himmel nachträglich abgedunkelt und an den Rest des Bildes angepasst wird.
Besonders bei Landschaftsaufnahmen, in denen der Horizont zu sehen ist, empfiehlt sich eine Vorbearbeitung in RAW.

Auch wenn Teile der Aufnahmen zu dunkel geworden sind, lassen sich im RAW-Konverter hier noch Informationen aus den scheinbar verlorenen Bildteilen herausholen, sodass für die selektive Nachbearbeitung dann möglichst neutrales Bildmaterial vorliegt.

In der Bearbeitung von Landschaftsfotos sind das besonders wichtige Faktoren:

    • Dodge & Burn: Die selektive Nachmodellierung von Helligkeiten bzw. dunklen und hellen Bildteilen ist ein essentieller Part von Naturfotos. Wirkliche Patentrezepte gibt es hier nicht – lasse ein wenig den Künstler in dir heraus und probiere herum, was gut aussieht. Wenn es am Ende im Vergleich zu drastisch geworden sein sollte, kannst du immer noch die Deckkraft reduzieren oder bestimmte Teile herausmaskieren.
    • Selektives Nachschärfen: Was oft in der Bildbearbeitung vergessen oder kleingeredet wird, ist bei Landschaftsfotos besonders sinnvoll. Da oft in verschiedenen Bildbereichen auch verschieden grobe Texturen vorliegen, lohnt sich das Nachschärfen (z.B. über den Hochpass-Filter im Modus Ineinanderkopieren) mit kleinen, mittleren und großen Radii, jeweils den passenden Bereich maskierend.
    • Farbanpassungen: „In echt“ sehen viele Naturmotive deutlich eindrucksvoller aus als auf un- oder nur schwach bearbeiteten Fotos. Hier gilt es also über farbliche Anpassungen z.B. über Gradationskurven oder die Farbbalance ein bisschen mehr Farbkontrast und Pep in die Aufnahmen zu bringen. Auch hier gilt als Maßgabe: Erlaubt ist, was gefällt – 1:1 passende Vorgaben für jedes Motiv kann und wird es nicht geben, insofern lasse dich einfach von deinem persönlichen Geschmack leiten. Und wenn es am Ende nicht überzeugend aussieht, schlafe eine Nacht darüber – oft ändert sich der Eindruck nochmal, wenn man eine intensive Bearbeitung eine Weile ruhen lässt.