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Manche Stunden am Tag sind ganz besondere – zumindest für Fotografen. Und obwohl man im Sommer besonders früh aufstehen oder besonders lange wach bleiben muss, um sie zu erleben, lohnt sich das Ergebnis! Hier befassen wir uns mit der Goldenen und der Blauen Stunde.

Blau und Gold?

Goldene und blaue Stunde sind in der Fotografie feststehende Begriffe. Die Goldene Stunde wird manchmal auch als „Magische Stunde“ bezeichnet. Zu Recht, denn Fotos, die in diesem Licht gemacht werden, haben meistens eine ganz besonders zauberhafte Atmosphäre. Goldene Stunde nennt man die Zeit direkt nach Sonnenaufgang und direkt vor Sonnenuntergang – das erste und das letzte Licht des Tages. Die Blaue Stunde findet hingegen kurz vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang statt.

Eine kleine Anmerkung vorab: Voraussetzung für richtig gelungene Bilder in diesen Lichtsituationen ist eine Spiegelreflex-Kamera oder eine Kompaktkamera, bei der man die Aufnahmeeinstellungen manuell beeinflussen kann. Wenn man die Einstellungen nicht kontrollieren kann, besteht die Gefahr stark rauschende (wegen zu hoher automatischer ISO-Einstellung) oder verwackelte Bilder zu erhalten.

Die Blaue Stunde

Wenn du mit dem Fotografieren in der Blauen Stunde loslegen willst, sei vorbereitet! Am besten hast du dir vorher schon einen guten Standpunkt ausgesucht, weißt, was du fotografieren möchtest und hast ein Stativ mitgenommen. Denn die blaue Stunde kurz nach Sonnenuntergang ist kurz! Darum ist es wichtig, möglichst ein bisschen früher vor Ort zu sein, denn unversehens kann die Sonne plötzlich untergegangen sein und dann geht es los. Ganz genau den richtigen Moment zu erwischen, zu dem das Licht am schönsten ist, ist nicht so einfach.

Welche Motive eignen sich?

Alles, was mit Stadtlichtern zu tun hat! Zum Beispiel beleuchtete Gebäude, Statuen, Kirchen, Brücken …

Gerade abends ist in einer Stadt meist noch viel los, sodass du die Lichter von Autos, Ampeln, Schaufenstern sowie Passanten vor die Linse bekommst. Passanten sorgen bei Langzeitbelichtungen für interessante Effekte – dadurch dass sie nur als Schlieren auf dem Foto zu sehen sind, erscheinen sie wie Geister. Denselben Effekt, nur noch wesentlich beeindruckender, erzielst du beim Fotografieren des Straßenverkehrs. Die Scheinwerfer und Rücklichter der Fahrzeuge erscheinen bei Langzeitbelichtungen nur noch als farbige Streifen und bringen so Bewegung und Dynamik ins Bild. Hierfür ist natürlich ein Stativ Voraussetzung, und eure Position muss gut sein (und sicher vor dem Verkehr – lass dich nicht überfahren! ;-))

Du merkst schon, Licht ist essenziell. Ein Foto zur Blauen Stunde ohne jegliche Lichtquelle im Motiv wirkt schnell langweilig und düster. Zumindest ein, zwei beleuchtete Objekte sollten Gegenstand der Aufnahme sein.

Besonders schön eignen sich auch Wasserflächen zum Fotografieren. In diesem besonderen Licht nimmt das Wasser annähernd die Farbe des Himmels an. Wenn man einmal das Glück hat, dass es gerade vorher geregnet hat – im Moment des Fotografierens aber wieder trocken ist – dann stellen Pfützen mit Reflexionen schöne Motive dar.

Wer die Gelegenheit hat und bereit ist, auf Motivsuche etwas weiter herauszufahren, der sollte sich einmal Fabriken und Kraftwerke näher anschauen. Diese ergeben ziemlich faszinierende Motive, vor allem im Dunkeln und zur Blauen Stunde, da sie meist sehr gut beleuchtet sind.

Mit der Blendeneinstellung kannst du steuern, ob du „Sterneneffekte“ in deinen Fotos sehen willst. Ca. ab einer Blende von f/11 entstehen diese automatisch bei dieser Lichtsituation. Ein Beispiel dafür siehst du hier:

Wenn du stattdessen die Blende auf f/7 bis f/10 einstellst, vermeidest du das. Um ein qualitativ begeisterndes Bild zu erhalten, achte auch auf deine ISO-Einstellung. Diese sollte nicht höher als 100 oder 200 sein. Die Belichtungszeit sollte sich anschließend danach richten, diese wird im AV-Modus Ihrer Kamera automatisch gesteuert – oder du stellst sie im manuellen Modus selbst ein (was wahrscheinlich eine gute Idee ist – die Fotos sollen ja absichtlich ein wenig unterbelichtet sein, schließlich ist es fast Nacht).

Die Goldene Stunde

Zur goldenen Stunde ist das Licht weich und warm, da die Blauanteile noch zu einem großen Teil von der Atmosphäre herausgefiltert werden. Da die Sonne sehr schräg steht, ergibt sich quasi ein indirektes Licht, welches besonders Portraits toll aussehen lässt.

Hier ist es wichtig, auf den Weißabgleich zu achten und nicht die automatische Einstellung zu benutzen. Stattdessen kannst du mit den verschiedenen Modi deiner Kamera experimentieren. Wer im RAW-Modus fotografiert, hat natürlich in der Nachbearbeitung am Computer noch die Möglichkeit, den Weißabgleich zu korrigieren.

Das Licht bietet dramatische Szenen und tolle Farben, besonders bei leicht bewölktem Himmel. Schau dich um! In diesem fantastischen Licht sieht fast alles gut aus.

Auch hier gilt natürlich: Sei rechtzeitig am Ort des Geschehens. So schnell die Goldene Stunde kommt, so schnell geht sie auch wieder. Deine besten Ergebnisse kannst du natürlich mit einem Pixum Fotobuch oder auf einem Pixum Wandbild für die Ewigkeit festhalten.